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Subjektiv & Aktuell
Wer will Minister werden?
ozon,
16.08.2010
Oder doch lieber zur Polizei. Während andere jahrelang Zeit haben in Ihrer Ausbildung diese Entscheidung zu bereuen, geht das bei den Beamten ganz einfach. Auf der einen Seite ist es eine gute Idee gegen die Arbeitslosigkeit. Dennoch ist es seltsam, dass der Beamtenüberschuss der Post so einfach bei der unterbesetzten Polizei untergebracht wird. Dass die Minister unabhängig von Ihrer Kompetenz besetzt werden, ist mittlerweile offensichtlich. Wenn ich daran denke dass ca 40% der Postsendungen bei mir, ohne Intervention, nicht ankommen, frage ich mich, wie sich so ein Experiment auf die Exekutive auswirkt. Aber das Problem ist natürlich dringlich: Wenn die Polizei Werbespots sendet, in denen z.b. eine blonde Beamtin in SOKO Kitzbühel Manier einen Taschendieb durch den Stadtpark verfolgt, ihn niederreißt, ganz locker die Handschellen klicken lässt und dabei noch cool in die Kamera grinst, mach ich mir große Sorgen. Wen wollen die damit ansprechen – hatten wir nicht genug Polizei-Skandale in letzter Zeit? (Bild: Paul Sturm)
http://www.bundespolizei.gv.at/lpk/
Fußball WM: Schweres Los für Opportunisten.
ozon,
28.06.2010
Herrlich! Seit Wochen wird nur diskutiert über Fehlentscheidungen, Ladehemmungen, verletzte Stars, Deffensivtaktiken, und warum Favoriten so früh nach Hause fahren. Auch wenn sich hier, von komplexer gestrickten Beobachtern, durchaus Zusammenhänge erkennen lassen, ist das nicht unbedingt notwendig, um Spaß daran zu haben, und mitreden geht beim Fußball sowieso immer. Vermutlich rührt die allgemeine Faszination auch daher, dass sich das ganze manchmal darstellt, wie ein kleiner Mikrokosmos, oder ein simpleres Abbild des richtigen Lebens. Es wird nach Gerechtigkeit verlangt, wo es nie eine gegeben hat. Notfalls mit Videobeweis, weil wir hoffen, dass die Technologie uns aus der Misere rettet. Ich bin gespannt, wie wir dieses Problem beim Skispringen lösen: Hallenspringen vielleicht? Fußball ist wie das Leben: Es ist das ewige Duell von "David gegen Goliath", manchmal ungerecht, weil Schiedsrichter Fehler machen, und manchmal sogar eine ironische zur Schau Stellung von ausgleichender Gerechtigkeit (Siehe die "Rache für Wembley"). Zuviel Gerechtigkeit wird fad und nach dem Chip im Ball kommt derselbe im Schuh und es wird immer noch nicht gerecht sein. Fehler erzeugen Dramatik und Leidenschaft, das macht Spaß. Vielleicht sollte die FIFA auch in ihr nächstes Computerspiel Fehlentscheidungen einbaun lassen. Diese Ungerechtigkeiten sind unberechenbar und erzeugen Emotionen und manchmal kommt sogar die vielzitierte "Ironie des Schicksals" dabei raus: Diesmal haben die Deutschen davon profitiert. Ich darf es als Österreicher ja nur leise sagen, dass ich die Deutschen heuer mag. Also nicht im Urlaub auf Mallorca und auch sonst können Sie manchmal ganz schön nerven. Aber Fußball spielen sie momentan sehr attraktiv. Trotzdem haben sie damit Erfolg und dabei bleiben sie bescheiden (die Mannschaft, nicht Paul Breitner). Das konnten bisher nur die Spanier oder vielleicht Lionel Messi. Da hab ich jetzt die Misere: Argentinien, Spanien oder Deutschland, auch Portugal wär ein würdige Weltmeister, aber nicht heuer. Wer von den anderen dreien ist mir egal. Das Problem ist nur, dass die alle vor dem Finale aufeinander treffen. Schon wieder muss ich mich entscheiden. Wie im richtigen Leben, habens Opportunisten auch hier nicht leicht. So ist das Spiel, so sollte man es nehmen und wenns ein Problem gibt, dann ist es eher das viele Geld, das im "Spiel" ist. Bleibt den Afrikanern nur zu wünschen, dass auch sie davon profitieren, aber das ist Politik und die hat hier, außer ihrer eigenen, nichts zu suchen, sagt die FIFA. Die korrekte Schreibweise laut FIFA lautet übrigens "Fussball WM" und nicht "Fußball WM", kein Witz. Also, wer hats erfunden...
http://de.fifa.com/index.html
Wer hat Angst vor der Rating-Agentur?
ozon,
09.06.2010
Aktuelle Meldung: Ratingagentur Fitch warnt Großbritannien. England beschliesst Einsparungen, vorallem im Sozialbereich. Nach Griechenland und Spanien jetzt England? Wer ratet eigentlich die Ratingagenturen? Wenn man bedenkt, dass Unternehmen wie Enron oder Lehman bros. eine Woche vor dem großen Knall ausgezeichnete Ratings erhalten haben und keine dieser Agenturen diese Katastrophe vorhersehen konnte, stellt sich doch die Frage nach deren Kompetenz. Das Problem ist aber, dass deren Aussagen international massive Folgen haben. Griechenland wurde runter geratet, die EU will aushelfen und der Euro stürzt ab. Bei einer kleineren Währung wäre sowas schon dramatischer. Und nachdem die anderen Währungen, wie der Dollar, im Vergleich zum Euro mehr Wert sind, profitieren diese Länder natürlich indirekt davon. Bemerkenswert in diesem Fall, dass es ausschließlich in den USA Ratingagenturen gibt. Hier könnte man auch einen Interessenskonflikt orten. Weil die amerikanische Wirtschaft sicher davon profitiert und durch den Kursverfall des Euro oder des britischen Pfund, ohne dass es weh tut, so einiges an Schulden gespart wurde. Aber natürlich ist das blanke Theorie...
http://de.reuters.com/article/economicsNews/idDEBEE6570B420100608
SVA – Versichern ohne Schutz?
ozon,
01.06.2010
Ein interessanter Zustand für den Sozialstaat: Auf der einen Seite ist es Pflicht sich zu versichern, andererseits muss der Versicherte selber für ärztliche Leistungen aufkommen. Dieser Zustand wirkt ein wenig mittelalterlich - wenn da nicht der Umstand wäre, dass 80% rückvergütet werden, soviel haben wir gelernt. Der Punkt ist nur, dass viele Selbständige - ohnehin schon als "prekär" bezeichnet - momentan nicht die finanziellen Mittel zur Vorfinanzierung haben. Und wie kreditwürdig Selbständige sind, weiß jeder der in Zeiten wie diesen versucht hat, einen zu bekommen. Die Banken habens vergeigt und jetzt müssen wir sparten. Das denkt sich die SVA offensichtlich auch. Dass dabei die Verhandlungen mit der Ärztekammer platzen, ist vielleicht zuviel gespart. Bei den Beiträgen inklusive 20% Selbstbehalt ist der Gedanke ja kein schlechter. Aber wer von den Betroffenen hätte sich gedacht, dass dieser Streit auf ihrem Rücken ausgetragen wird? Da drängt sich die Frage auf, wie fähig die Verhandlungspartner eigentlich sind. Mit Sicherheit gibt es auf dem Weg der Verrechnung von der eCard bis zur Abbuchung bei der SVA so einiges zu optimieren und wenn man hier mehr Transparenz schaffen würde, wäre da vielleicht schon genug gespart. Man darf gespannt sein, ob das nur der Anfang ist, oder ob hier wirklich Lösungen in Sachen Kranken- und Pensionsversicherung gefunden werden. Vielleicht wäre es auch langsam Zeit für die Wirtschaftskammer hier zu vermitteln.
http://derstandard.at/1271377494656/Wissen-Patienten-zahlen-ab-Juni-drauf
Nie wieder Krieg, Faschismus und 2. Liga!
ozon,
18.05.2010
St. Pauli hats geschafft, den Sprung in die Bundesliga zum 100. Geburtstag. Ein Ausnahmeverein nicht durch seine fussballerischen Leistungen, sondern durch die Ideologie die er für seine Anhängerschaft verkörpert - das "Nonestablishment". Ein Grund den Mann zu ehren – man nennt ihn "Doc Mabuse" und er ist heute Hartz IV Empfänger – der damals als erster mit Piraten-Flagge ins Stadion marschierte und somit - ohne es zu ahnen - das Logo als Basis für ein Corporate Design und ein Marketingkonzept geschaffen hat, das dem "Mythos" von Rebellion ein Gesicht gegeben hat. Mittlerweile ist der Totenkopf von St. Pauli ein beliebtes Lifestyile Accessoire für Bobos die früher vielleicht mal mit Punks herumgehangen haben, auch wenn sie gar keinen Fußball mögen. So als ob das Erscheinungsbild hier Inhalt macht und neue Nischen erschließt, die dem Fußball verschlossen bleiben - auch wenns blos heiße Luft ist, hauptsache es wirft Geld ab. Und in diesem Fall sogar noch für ein wenig Ideologie. Egal, wir gratulieren dem Verein und wünschen ebenfalls: Nie wieder Krieg, Nie wieder Faschismus, Nie wieder 2. Liga...
http://www.fcstpauli.com/index.php
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